Gewerblicher Schrottankauf: Preise pro Tonne & als Betrieb verkaufen
Wie sich Tonnen-Preise vom Kleinmengengeschäft unterscheiden, wann sich ein Container lohnt, was das Gutschriftverfahren mit Reverse-Charge bedeutet — und wie Betriebe ihren Schrott über den DAVR-Marktplatz verkaufen.
DAVR Redaktion
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Beim gewerblichen Schrottankauf zahlt der Aufkäufer für größere, sortenreine Mengen deutlich bessere Preise als im Kleinmengengeschäft — weil er die Ware direkt weiterverarbeiten kann und weniger Handling hat. Betriebe mit regelmäßigem Schrottanfall verkaufen deshalb typischerweise sortenrein, per gestelltem Container und im Tonnen-Maßstab, orientieren sich an der tagesaktuellen Börsennotierung und rechnen untereinander im Gutschriftverfahren mit Reverse-Charge (§ 13b UStG) ab. Das Ergebnis: höhere Erlöse pro Kilogramm und weniger Aufwand als beim gelegentlichen Verkauf am Schrottplatz.
Dieser Beitrag zeigt, worin sich Tonnen-Preise von Kleinmengen unterscheiden, wie Sie den Sammelrhythmus organisieren, was steuerlich zu beachten ist und wie Sie als Betrieb den besten Abnehmer finden.
Tonnen-Preise vs. Kleinmengen: worin der Unterschied liegt
Der Preis für Schrott richtet sich grundsätzlich nach der Börsennotierung des jeweiligen Metalls, abzüglich der Marge des Aufkäufers für Transport, Sortierung und Risiko. Genau bei dieser Marge trennt sich das Groß- vom Kleingeschäft:
- Große, sortenreine Mengen landen näher an der Notierung. Wer eine volle Charge sauberen Kupfers oder Edelstahls anliefert, spart dem Aufkäufer das Sortieren und bekommt entsprechend mehr.
- Kleinmengen und Mischschrott werden mit spürbaren Abschlägen bewertet. Unsortierte Ware muss der Aufkäufer erst trennen, Anhaftungen und Fremdstoffe drücken den Preis zusätzlich.
Zur groben Orientierung typische Spannen (Stand: Juli 2026): blankes Kupfer liegt im Bereich von rund 7–8 €/kg, gemischtes Kupfer darunter; Aluminium je nach Sorte etwa 0,90–1,85 €/kg; Edelstahl (V2A) rund 1,00–1,90 €/kg; Stahl- und Eisenschrott je nach Qualität grob 100–300 €/t. Diese Werte schwanken täglich — verbindlich sind immer die aktuellen Schrottpreise. Wie Sorten den Kupferpreis konkret bestimmen, lesen Sie im Beitrag Kupferpreis pro kg nach Sorten.
Die wichtigste Stellschraube für Ihren Erlös ist also nicht der Aufkäufer, sondern die Sortenreinheit. Getrennt gesammelter Schrott bringt fast immer mehr als der gleiche Materialmix im Sammelcontainer.
Sammelrhythmus: Container stellen lassen oder selbst bringen?
Betriebe mit laufendem Schrottanfall stehen vor der Wahl zwischen zwei Modellen:
- Container-Gestellung: Der Aufkäufer stellt einen oder mehrere Container (z. B. getrennt nach Metall, Stahl und Mischschrott) und holt sie nach Vereinbarung oder bei Füllstand ab. Vorteil: kein eigener Transport, planbarer Rhythmus, meist bessere Konditionen ab bestimmten Mengen. Sinnvoll ab einem kontinuierlichen Aufkommen.
- Selbst anliefern: Sie bringen den Schrott zum Recyclinghof oder Schrottplatz. Vorteil: Sie verkaufen flexibel dann, wenn die Preise gut stehen, und sind nicht an einen Abnehmer gebunden. Nachteil: eigener Fahrzeug- und Zeitaufwand.
Faustregel: Regelmäßiger, größerer Anfall spricht für die Container-Lösung mit einem festen Partner; unregelmäßige oder wertdichte Mengen (etwa Kupfer und Messing) lassen sich oft lukrativer selbst anliefern, wenn Sie die Preise beobachten. Passende Annahmestellen finden Sie im Verzeichnis der Recyclinghöfe.
Steuerliche Basics: Gutschrift und Reverse-Charge
Beim Verkauf zwischen Unternehmen gilt für Schrott und Altmetalle eine Besonderheit: die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers (Reverse-Charge) nach § 13b UStG. Vereinfacht bedeutet das:
- Die Lieferung wird ohne offen ausgewiesene Umsatzsteuer abgerechnet.
- Nicht der Verkäufer, sondern der Käufer (Leistungsempfänger) schuldet und meldet die Umsatzsteuer.
- Auf dem Beleg muss der Hinweis „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers" stehen.
In der Praxis rechnet der Aufkäufer häufig per Gutschrift ab: Er stellt den Abrechnungsbeleg selbst aus, statt eine Rechnung von Ihnen zu verlangen. Auch dann gelten die Reverse-Charge-Regeln, und die Steuernummer bzw. Umsatzsteuer-Identifikationsnummer muss korrekt erfasst sein. Welche Materialien genau unter die Regelung fallen, ergibt sich aus den Anlagen 3 und 4 zum UStG; einen praxisnahen Überblick geben die Industrie- und Handelskammern, etwa die IHK Region Stuttgart.
Wichtig: Das ist ein grober Überblick, keine Steuerberatung. Klären Sie die konkrete Behandlung mit Ihrem Steuerberater — besonders bei gemischten Lieferungen oder wenn Sie selbst gewerblich ankaufen. Wer den Einstieg in den Handel plant, findet die rechtlichen Grundlagen im Beitrag Schrotthändler werden 2026.
Preise verhandeln mit dem tagesaktuellen Index
Der größte Fehler im gewerblichen Verkauf ist, den erstbesten Preis zu akzeptieren. Aufkäufer kalkulieren gegen die Börse — und die kennen Sie ebenfalls. So verhandeln Sie auf Augenhöhe:
- Referenzpreis mitbringen: Prüfen Sie vor dem Gespräch den tagesaktuellen Schrottpreis-Index für Ihre Sorten. Wer die Notierung kennt, erkennt einen fairen Abschlag von einem unseriösen.
- Materialwert selbst schätzen: Rechnen Sie Ihre Menge grob durch. Der Beitrag Altmetall-Wert berechnen zeigt, wie Sie aus Gewicht und Sorte einen realistischen Erlös ableiten.
- Sortenrein anbieten: Getrennte Ware ist Ihr stärkstes Argument. Trennen Sie zumindest die wertvollen Fraktionen (Kupfer, Messing, Edelstahl) vom Mischschrott.
- Mengen bündeln: Ein größeres Los in einer Lieferung bringt oft bessere Konditionen als drei kleine.
Häufige Abzüge kennen — und vermeiden
Selbst bei einer fairen Notierung entscheidet die Ware über den Erlös. Aufkäufer bewerten nicht nur die Sorte, sondern auch den Zustand — und ziehen ab, wo Aufwand entsteht:
- Anhaftungen und Fremdstoffe: Beton an Bewehrungsstahl, Kunststoffummantelungen, Isolierungen oder Schrauben aus anderem Metall senken den Preis. Reines Messing bringt mehr als Armaturen mit Kunststoff- und Dichtungsresten.
- Feuchtigkeit und Verschmutzung: Nasser oder stark verschmutzter Schrott wird gewichtsmäßig „bestraft", weil Wasser und Dreck mitgewogen, aber nicht bezahlt werden.
- Fehlwürfe: Ein einziges Stück minderwertiges Material im Kupfercontainer kann die ganze Charge herabstufen. Konsequente Trennung schützt Ihren Durchschnittspreis.
- Gefährliche Bestandteile: Ölbehaftete Teile, Kühlmittel oder schadstoffhaltige Bauteile machen aus normalem Schrott einen gefährlichen Abfall mit ganz anderen Pflichten — hier trennen Sie besser vorab.
Wer diese Punkte im Blick behält, holt aus derselben Menge oft spürbar mehr heraus. Ein kurzer Sortier- und Reinigungsaufwand im eigenen Betrieb zahlt sich beim Ankaufspreis fast immer aus.
Als Betrieb über den DAVR-Marktplatz verkaufen
Statt sich auf einen einzigen Aufkäufer zu verlassen, können Betriebe ihren Schrott über den DAVR-Marktplatz anbieten und mehrere Abnehmer gegeneinander antreten lassen. Sie beschreiben Material, Sorte, Menge und Standort, laden Fotos hoch und erhalten Anfragen interessierter Höfe und Händler direkt in Ihren Posteingang. Das schafft Wettbewerb um Ihre Ware — und der Wettbewerb landet in Ihrem Erlös. Regelmäßige Chargen lassen sich so an den jeweils besten Preis vermitteln, statt an eine feste, womöglich zu niedrige Konditionsliste.
Häufige Fragen
Warum bekomme ich für eine Tonne mehr pro Kilo als für ein paar Kilo?
Weil der Aufkäufer bei großen, sortenreinen Mengen weniger Aufwand für Sortierung und Handling hat und die Ware näher an der Börsennotierung ankaufen kann. Kleinmengen und Mischschrott muss er erst trennen — das kostet, und der Abzug landet im niedrigeren Kilopreis.
Was bedeutet Gutschriftverfahren beim Schrottverkauf?
Beim Gutschriftverfahren stellt der Käufer (Aufkäufer) den Abrechnungsbeleg aus, nicht der Verkäufer die Rechnung. Bei Schrott zwischen Unternehmen gilt dabei die Reverse-Charge-Regel nach § 13b UStG: Abrechnung ohne offen ausgewiesene Umsatzsteuer, mit dem Hinweis „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers".
Lohnt sich ein gestellter Container?
Ab einem regelmäßigen, größeren Schrottanfall meist ja: kein eigener Transport, planbare Abholung und oft bessere Mengenkonditionen. Bei unregelmäßigem oder besonders wertvollem Material (Kupfer, Messing) kann die flexible Selbstanlieferung lukrativer sein.
Wie erkenne ich einen fairen Ankaufspreis?
Vergleichen Sie das Angebot mit dem tagesaktuellen Schrottpreis-Index für Ihre Sorte. Ein moderater Abschlag für Marge und Handling ist normal; ein sehr großer Abschlag ohne nachvollziehbaren Grund ist ein Warnsignal — dann lohnt der Vergleich mit weiteren Abnehmern.
Muss ich als Betrieb Umsatzsteuer auf Schrott ausweisen?
Bei Lieferungen an andere Unternehmen greift für Schrott und Altmetalle in der Regel die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers (§ 13b UStG) — also keine offen ausgewiesene Umsatzsteuer. Die genaue Behandlung hängt vom Material und Ihrer Situation ab; klären Sie sie mit Ihrem Steuerberater.
Jetzt den besten Abnehmer finden
Sie haben regelmäßig Schrott und wollen mehr als den Standardpreis? Stellen Sie Ihr Material auf den DAVR-Marktplatz: Sorte, Menge und Standort eintragen, Fotos hochladen — und mehrere Höfe und Händler um Ihre Charge konkurrieren lassen. So verkaufen Betriebe zum jeweils besten Tagespreis, statt sich an eine feste Konditionsliste zu binden. Passende Abnehmer in Ihrer Nähe finden Sie zusätzlich im Recyclinghof-Verzeichnis.
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