AVV-Nummer finden: Abfallschlüssel einfach erklärt (mit Beispielen)
So finden Sie den richtigen sechsstelligen Abfallschlüssel: Aufbau der AVV-Nummer, Spiegeleinträge, gefährliche Sternchen-Abfälle und eine Tabelle der häufigsten Codes für Betriebe.
DAVR Redaktion
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Die AVV-Nummer (auch Abfallschlüssel oder Abfallschlüsselnummer) ist ein sechsstelliger Code aus der Abfallverzeichnis-Verordnung, mit dem jeder Abfall in Deutschland eindeutig eingestuft wird. Sie besteht aus drei Zweierpaaren: Die ersten beiden Ziffern nennen das Kapitel (die Herkunft), die mittleren beiden die Gruppe (den Bereich innerhalb des Kapitels) und die letzten beiden die konkrete Abfallart. Steht am Ende ein Sternchen (*), handelt es sich um einen gefährlichen Abfall. Die Nummer legt nicht der Abfallerzeuger frei fest, sondern sie ergibt sich aus dem amtlichen Verzeichnis anhand von Herkunft und Eigenschaften des Abfalls.
Wer als Betrieb Abfälle entsorgt, Container bestellt oder Nachweise führt, kommt an der richtigen AVV-Nummer nicht vorbei. Dieser Beitrag erklärt den Aufbau, zeigt die häufigsten Schlüssel als Tabelle und räumt mit dem größten Stolperstein auf: den Spiegeleinträgen.
Was ist die Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV)?
Die Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) setzt das Europäische Abfallverzeichnis in deutsches Recht um. Sie ordnet jedem Abfall einen Schlüssel und eine Bezeichnung zu — insgesamt rund 840 Einträge, gegliedert in 20 Kapitel. Der amtliche Wortlaut samt vollständiger Anlage steht auf gesetze-im-internet.de. Ziel ist eine bundesweit einheitliche „Sprache" für Abfälle: Erzeuger, Beförderer, Entsorger und Behörden meinen mit „17 04 05" überall dasselbe.
Die AVV ist damit die Grundlage für Entsorgungsnachweise, Begleitscheine und Abfallbilanzen. Ohne korrekten Schlüssel lässt sich kein Abfall rechtssicher übergeben.
Der sechsstellige Aufbau: Kapitel, Gruppe, Art
Jede AVV-Nummer folgt demselben Muster. Am Beispiel 17 04 05 – Eisen und Stahl:
- 17 = Kapitel: Bau- und Abbruchabfälle (die Herkunft des Abfalls),
- 17 04 = Gruppe: Metalle (einschließlich Legierungen),
- 17 04 05 = Abfallart: Eisen und Stahl.
Die ersten beiden Ziffern verraten also, aus welchem Bereich der Abfall stammt. Manche Kapitel sind nach der Branche geordnet (z. B. 01 Bergbau, 10 thermische Prozesse, 17 Bau), andere nach dem Material (13 Öle, 15 Verpackungen). Kapitel 16 ist der Sammelplatz für Abfälle, die „anderweitig im Verzeichnis nicht aufgeführt" sind — etwa Altfahrzeuge, Batterien und Elektroschrott aus nicht eindeutiger Quelle. Kapitel 20 umfasst die Siedlungsabfälle aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen.
Spiegeleinträge und gefährliche Abfälle (Sternchen)
Der häufigste Fehler entsteht bei den Spiegeleinträgen. Für viele Abfälle gibt es zwei Schlüssel: einen mit Sternchen (gefährlich) und einen ohne (nicht gefährlich). Welcher gilt, hängt davon ab, ob der Abfall gefährliche Stoffe oberhalb bestimmter Schwellen enthält.
Ein klassisches Beispiel sind Kabel:
- 17 04 10* – Kabel, die Öl, Kohlenteer oder andere gefährliche Stoffe enthalten (gefährlich),
- 17 04 11 – Kabel mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 04 10 fallen (nicht gefährlich).
Ähnlich bei Elektrogeräten: 20 01 35* (mit gefährlichen Bauteilen) gegenüber 20 01 36 (ohne). Das Sternchen bedeutet, dass der Abfall mindestens eine gefahrenrelevante Eigenschaft besitzt und besonderen Pflichten unterliegt — etwa dem elektronischen Nachweisverfahren. Wer den falschen, „ungefährlichen" Schlüssel wählt, obwohl Schadstoffe enthalten sind, riskiert eine Falschdeklaration mit empfindlichen Bußgeldern. Im Zweifel entscheidet die zuständige Behörde über die Einstufung. Wie gefährliche Elektroaltgeräte korrekt entsorgt werden, lesen Sie im Beitrag Elektroschrott entsorgen.
Die 18 häufigsten AVV-Schlüssel für Betriebe
Die folgende Tabelle listet die Schlüssel, die im gewerblichen Alltag am häufigsten auftauchen — von Metallschrott über Verpackungen bis Bauschutt. Alle Bezeichnungen entsprechen dem amtlichen Wortlaut der AVV-Anlage.
| AVV-Schlüssel | Abfallbezeichnung | Kapitel | Gefährlich |
|---|---|---|---|
| 15 01 01 | Verpackungen aus Papier und Pappe | 15 Verpackungen | nein |
| 15 01 04 | Verpackungen aus Metall | 15 Verpackungen | nein |
| 15 01 06 | Gemischte Verpackungen | 15 Verpackungen | nein |
| 16 01 17 | Eisenmetalle | 16 Altfahrzeuge u. a. | nein |
| 16 01 18 | Nichteisenmetalle | 16 Altfahrzeuge u. a. | nein |
| 16 06 01* | Bleibatterien | 16 Batterien | ja (*) |
| 17 01 01 | Beton | 17 Bau/Abbruch | nein |
| 17 04 01 | Kupfer, Bronze, Messing | 17 Metalle | nein |
| 17 04 02 | Aluminium | 17 Metalle | nein |
| 17 04 05 | Eisen und Stahl | 17 Metalle | nein |
| 17 04 07 | Gemischte Metalle | 17 Metalle | nein |
| 17 04 11 | Kabel (außer 17 04 10) | 17 Metalle | nein |
| 17 09 04 | Gemischte Bau- und Abbruchabfälle (außer 17 09 01–03) | 17 Bau/Abbruch | nein |
| 20 01 01 | Papier und Pappe | 20 Siedlungsabfälle | nein |
| 20 01 35* | Gebrauchte elektrische/elektronische Geräte mit gefährlichen Bauteilen | 20 Siedlungsabfälle | ja (*) |
| 20 01 36 | Gebrauchte elektrische/elektronische Geräte (außer 20 01 21, 23, 35) | 20 Siedlungsabfälle | nein |
| 20 01 40 | Metalle | 20 Siedlungsabfälle | nein |
| 20 03 07 | Sperrmüll | 20 Siedlungsabfälle | nein |
Für Metallbetriebe sind die 17 04-Schlüssel die wichtigsten: Kupfer und Messing fallen unter 17 04 01, Aluminium unter 17 04 02, Stahl und Eisen unter 17 04 05. Was diese Materialien am Markt wert sind, zeigen die aktuellen Sortenpreise.
Wer legt die AVV-Nummer fest?
Ein weit verbreiteter Irrtum: Die Nummer sucht sich nicht der Erzeuger nach Belieben aus. Die Einstufung ergibt sich aus dem Verzeichnis anhand von Herkunft und Eigenschaften des Abfalls. In der Praxis vergibt sie der Abfallerzeuger in Abstimmung mit dem Entsorger — verantwortlich für die richtige Deklaration bleibt aber der Erzeuger bzw. Besitzer. Bei Spiegeleinträgen und in Streitfällen entscheidet die zuständige Abfallbehörde. Eine hilfreiche kostenlose Suche bietet unter anderem Zentek; maßgeblich ist jedoch immer die amtliche Anlage der AVV.
Entsorgungsnachweis: die Basics
Bei gefährlichen Abfällen (Sternchen-Schlüssel) reicht die richtige Nummer allein nicht. Nach der Nachweisverordnung (NachwV) ist ein Entsorgungsnachweis Pflicht, und seit 2010 läuft das Verfahren fast durchgängig elektronisch — das elektronische Abfallnachweisverfahren (eANV) mit qualifizierter elektronischer Signatur. Wer mehr als zwei Tonnen gefährlichen Abfall pro Jahr entsorgt, benötigt zudem eine Abfallerzeugernummer. Für nicht gefährliche Abfälle sind die Pflichten geringer, doch auch hier verlangen Entsorger die korrekte AVV-Nummer für Container-Bestellung und Abrechnung. Einen guten Einstieg zur Nachweispflicht bietet die Niedersächsische Gewerbeaufsicht.
Wer als Schrott- oder Entsorgungsbetrieb selbst mit Abfällen handelt, sollte außerdem die Anzeige- und Erlaubnispflichten kennen — die haben wir im Beitrag Schrotthändler werden 2026 zusammengefasst.
Häufige Fragen
Wie ist eine AVV-Nummer aufgebaut?
Sie besteht aus sechs Ziffern in drei Paaren: Kapitel (Herkunft), Gruppe (Bereich innerhalb des Kapitels) und Abfallart. Beispiel: 17 04 05 = Kapitel 17 (Bau- und Abbruchabfälle), Gruppe 17 04 (Metalle), Art 05 (Eisen und Stahl).
Was bedeutet das Sternchen hinter der AVV-Nummer?
Das Sternchen (*) kennzeichnet einen gefährlichen Abfall. Solche Abfälle besitzen mindestens eine gefahrenrelevante Eigenschaft und unterliegen strengeren Pflichten, unter anderem dem Entsorgungsnachweis und dem elektronischen Nachweisverfahren.
Was ist ein Spiegeleintrag?
Ein Spiegeleintrag ist ein Abfall, für den es zwei Schlüssel gibt: einen gefährlichen (mit ) und einen nicht gefährlichen. Welcher zutrifft, hängt vom tatsächlichen Schadstoffgehalt ab. Beispiel: 17 04 10 (Kabel mit gefährlichen Stoffen) und 17 04 11 (Kabel ohne).
Welche AVV-Nummer hat Metallschrott?
Für sortenreinen Schrott aus Bau und Abbruch gelten die 17 04-Schlüssel: 17 04 01 (Kupfer, Bronze, Messing), 17 04 02 (Aluminium), 17 04 05 (Eisen und Stahl), 17 04 07 (gemischte Metalle). Bei Metallen aus Siedlungsabfällen kommt 20 01 40 (Metalle) in Betracht.
Wer bestimmt die richtige AVV-Nummer?
Die Einstufung ergibt sich aus dem amtlichen Verzeichnis anhand von Herkunft und Eigenschaften. In der Praxis deklariert der Abfallerzeuger — oft gemeinsam mit dem Entsorger —, und bei Unklarheiten oder Spiegeleinträgen entscheidet die zuständige Abfallbehörde.
Den richtigen Entsorgungsweg finden
Sie kennen jetzt Aufbau und häufigste Schlüssel — der nächste Schritt ist die Übergabe an einen geeigneten Betrieb. Über das DAVR-Verzeichnis der Recyclinghöfe finden Sie Annahmestellen für Ihre Abfallart, etwa gezielt in München oder Köln. Betreiben Sie selbst einen Hof oder Entsorgungsbetrieb? Dann übernehmen Sie Ihren Eintrag kostenlos auf DAVR für Recyclinghöfe und zeigen Sie, welche Abfallschlüssel Sie annehmen.
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